Das Gebirge

Die Geschichte von Karlshorst (III)

 

Karlshorster Gebirge

 

Dieser Teil der „Geschichte von Karlshorst“ reicht zurück in eine Zeit, als Karlshorst als Ort noch nicht
existierte oder noch sehr jung war und weicht etwas von der bisherigen Chronologie ab. Doch wer
kann sich schon noch an Berge und Felder mitten in Karlshorst erinnern? Etwa auf der Höhe der heutigen
Kreuzung Waldowallee / Rheinsteinstraße lag seit 1836 ein Vorwerk zur Bewirtschaftung der
Güter von Carl von Treskow. Er wurde zum Namenspatron der späteren Siedlung, indem er das Vorwerk
„Carlshorst“ nannte. Bis 1869 gab es hier lediglich sieben Wohnhäuser und Wirtschaftgebäude,
von denen heute keine Spur mehr existiert. Außer dem Namen hatte das Vorwerk jedoch keine weitere
Bedeutung für die Entwicklung von Karlshorst. Eine ungefähre Orientierung in diesem Gelände
wäre auch für uns heute noch möglich, folgen doch die Verläufe der heutigen Waldow- und Treskowallee
denen zweier alter Sandwege. Der Streckenverlauf der seit 1841 durch den Süden der Friedrichsfelder
Feldmark führenden Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn gleicht dem der heutigen Sund
Fernbahn. Bis wenige Jahre vor Beginn des 20. Jahrhunderts bedeckte dichter Wald den Boden
unseres Ortsteils und noch bis zur Mitte der dreißiger Jahre fand sich in Karlshorst ausgedehnte Heidelandschaft
mit Sträuchern und kleinen Baumgruppen. Auf der Achse der Dorotheastraße zwischen
Karl-Egon-Straße und heutiger Sangeallee boten die „Krähenberge“ Rodelmöglichkeiten im Winter
und Buddelsand im Sommer. Im Jahre 1896 konnten die Karlshorster von dort aus das tägliche Feuerwerk
der Gewerbeausstellung in Treptow beobachten. Eigentlich handelte es sich bei diesen „Bergen“
lediglich um große Sandhaufen; nämlich um Binnendünen, die nach der Eiszeit entstanden. Unsere
Gebirge bestanden aus fast reinem Sand mit kleineren Steinen. Westlicher gelegene Flugsandfelder
ließen sogar Mauern in der Junker-Jörg-Straße derart versanden, daß sie schließlich ganz begraben
waren. Erst bei der Abtragung der Sandberge um die Jahrhundertwende kamen sie schließlich
wieder zum Vorschein. Damals wurden etwa 120.000 Kubikmeter Boden abtransportiert, davon
57.000 für den Bau des Bahndammes am Bahnhof Karlshorst. Weiter nördlich an der Strausberger
Bahnstrecke wurden weitere Sandberge von den Schienen durchschnitten. Die Fuchsberge an der
Grenze zu Friedrichsfelde lagen etwa sechs Meter und die Krähenberge etwa vier Meter über Karlshorster
Straßenniveau (die Treskowallee verläuft auf Höhe der evangelischen Kirche 35,6 m über dem
Meeresspiegel). Den vielen Krähen, die seinerzeit in Karlshorst nisteten, verdanken die Krähenberge
ihren Namen. Die Einwohner der Gründerzeit sollen deshalb nicht nur zum Spaß den Namen „Krähenhorst“
passender für den neuen Ort gefunden haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Karlshorst
in einigen Teilen feuchter als heute. Es kam sogar zu gelegentlichen Überschwemmungen der
Rohrlake, eines Baches, der den inzwischen verschwundenen See im Seepark an der Liepnitzstraße
speiste. Überhaupt prägte eine ganze Reihe von kleinen Flüßchen und Seen das junge Karlshorst.
Spuren eines früher größeren sumpfigen Feuchtgebietes lassen sich nur noch in der Kleingartenanlage
„Stallwiese“ am Traberweg finden. Auch wenn Karlshorst inzwischen mehr „Stadt“ ist als noch vor
100 Jahren stimmt der Satz aus der Werbebroschüre des Haus- und Grundbesitzervereins Karlshorst
von 1911 noch immer: „Karlshorst ist und bleibt der schönste Vorort des Ostens!“
Jörg H. Ahlfänger, M.A.