Schule Teil 2

Die Geschichte von Karlshorst (V)

 

In Karlshorst zur Schule gehen… (2. Teil)

 

Das Lyzeum und das Realgymnasium sowie die Knaben-Vorschule fanden erst wieder ausreichend
Platz für den Unterricht, als sie am 15.4.1914 in einem großen Neubau an der Treskowallee 44 untergebracht
wurden. Schulleiter des Gymnasiums war Dr. Wilhelm Bolle aus Friedenau; die Mädchenschule
und die Knabenvorschule leitete Dr. Otto Draeger aus Lichtenberg, der bereits ein gutes Jahr
später im 1. Weltkrieg fiel.
Der neuen Einrichtung mit dem Namen „Reformrealgymnasium“ wurde zusätzlich eine Realschule
angegliedert. Nach Klassenstufen gestaffelt erhielten die Schülerinnen und Schüler Französisch-,
Latein- und schließlich Englischunterricht. Die erste Abschlußprüfung an der Realschule fand Ostern
1917 statt, die erste Reifeprüfung am Gymnasium folgte Ostern 1920.
Zu dieser Zeit (1919/20) wurde das Reformrealgymnasium um einen bereits vorher geplanten Flügel
am Römerweg erweitert und erhielt so seinen uns noch heute bekannten komplizierten Grundriß.
1925 erhielt das Gebäude an der Treskowallee den Namen „Kantschule“, der vielen auch heute noch
geläufig ist, selbst wenn sie nicht Schüler dieser Einrichtung waren.
Der bis Kriegsende 1945 erworbene gute Ruf konnte jedoch die teilweise Auflösung (nämlich die des
Mädchengymnasiums) und die Verlegung des Restes der Kantschule in die Schlichtallee nicht verhindern.
Mit Beschluß der DDR-Regierung nahm am 4. Oktober 1950 das „Institut für Planökonomie“ im
Gebäude an der Treskowallee seine Arbeit auf. Die spätere Einrichtung der Hochschule für Ökonomie
und schließlich der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft wäre dann schon wieder „Hochschulgeschichte“
und sprengt diesen Rahmen.
Auch bei den Volksschulen gab es Änderungen; sie bekamen 1921 zunächst neue Nummern, sodaß
nun in der Treskowallee die 29. und in der Auguste-Viktoria-Straße die 30. Volksschule stand. Beide
wurden ab 1922 achtklassig. Knaben und Mädchen hatten gemeinsamen Unterricht bis zur 4. Klasse.
Danach erfolgte jeweils die Trennung: Mädchen gingen ab dann in die 29. (Treskowallee) und Knaben
in die 30. Volksschule (Auguste-Viktoria-Straße).
Eine Zählung von 1933 ergab eine Anzahl von 1500 Schülern an beiden Volksschulen.
Nach Kriegsende stieg mit der schrittweisen Aufhebung des sowjetischen Sperrgebietes und dem
damit einhergehendem Zuzug von Menschen der Bedarf an Schulen wieder an.
Das Schulgebäude in der Gundelfinger Str. 10-11 stand jedoch nicht mehr zur deutschen Verfügung.
Bis 1952 wurde es von sowjetischen Offizieren genutzt. Für kurze Zeit – ganze zwei Jahre – erlebte
es bis heute zum letzten Mal wieder einen deutschen Schulbetrieb.
Seit dem 1.9.1954 wurde das Haus zur sowjetischen Mittelschule für die Kinder der hier stationierten
Offiziere, Berufssoldaten und Zivilangestellten der GSSD („Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in
Deutschland“).
Die bis dahin in der Gundelfinger Straße unterrichteten deutschen Klassen wurden in zwei Holzbaracken
auf dem Gelände der Schule in der Ehrlichstraße (ehem. Auguste-Viktoria-Straße) verlegt.
Seit dem Abzug der GUS-Truppen 1994 steht das Schulgebäude leer und verlangt mehr und mehr
nach einer gründlicher Sanierung.
Der Karlshorster Schulbedarf stieg jedoch weiter. Zusammen mit vier Neubauten, die seit Anfang der
50er Jahre entstanden, gibt es heute:
Das Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium (6. Gymnasium) im Römerweg 39, das zu DDR-Zeiten als 2.
Polytechnische Oberschule errichtet wurde.
Die 22. bzw. „Karlshorster Grundschule“, die 1959 in der Lisztstr. 6 zur Aufnahme der Schüler aus der
Gundelfinger Straße 10-11 als 29. POS bzw. „Suche-Bator-Oberschule“ erbaut wurde.
Die 21. bzw. „Lew-Tolstoi-Grundschule“ am Römerweg 120, die 1967 als 15. POS (ehem. „Valentina
Tereschkowa“) mit 20 Klassen entstand.
Als letzter Schulneubau in Karlshorst folgte 1978 schließlich die 3. POS in der Ehrenfelsstraße 36;
diese ist heute die Richard-Wagner-Grundschule (24. Grundschule).
Die ehemalige 30. POS „M. W. Lomonossow“ in der Ehrlichstr. 60 beherbergt heute die private BIPKreativitätsgrundschule.
Jörg H. Ahlfänger, M.A.