Freizeit & Kultur – Frage 2

Mit dem Neubau des Kulturhauses und dem renovierten Theater wurde der Kulturstandort räumlich gestärkt. Wie wollen Sie den Kulturstandort Karlshorst inhaltlich stärken?

 

Gregor Költzsch: Die Sanierung des Theaters, der Einzug der Musikschule und der Neubau des Platzes waren ein großer Schritt vorwärts. Es muss nun aber auch ein Betreiber für das Theater gefunden werden. Es ist nicht einfach, ein solches Gebäude nachhaltig wirtschaftlich zu betreiben. Im Moment hat der Bezirk gemeinsam mit der HOWOGE ein EU-Projekt auf den Weg gebracht, um Perspektiven zu erarbeiten. Auf die Ausschreibung dazu hat es viele Bewerbungen mit verschiedenen Konzepten gegeben, die gerade ausgewertet werden. Darunter sind meines Wissens viele Interessenten, die das Theater an einzelnen Tagen, nicht aber das ganze Jahr über bespielen wollen. Wenn zunächst kein Betreiber gefunden wird, der das Theater komplett übernimmt, wird die Lösung in der Kombination der Einzelinteressen und -veranstaltungen bestehen. Wichtig ist mir, dass der Theatersaal weiter für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung steht und nicht anderweitig umgebaut wird. Als Abgeordneter wie auch schon jetzt als SPD-Vorsitzender in Karlshorst unterstütze ich die Suche nach Investoren für das Theater. Wir sind schon jetzt im Gespräch mit potentiellen Interessenten. Außerdem sollten wir eine Bürgerbefragung durchführen. Die beste Ideen und Konzepte entstehen hier vor Ort. Das neue Kulturhaus wird ebenso wie das alte ein wichtiges kulturelles Zentrum werden. Es bietet alle Möglichkeiten für kulturelle Aktivitäten. Durch regelmäßige Ausstellungen und Vernissagen verschiedener Künstler kann der Standort noch attraktiver werden.

Ringo Bronkalla: Im Interesse der Eigentümer und einer tatsächlichen Stärkung des Kulturstandortes wäre ein langfristiges Engagement von Künstlern und Vereinen vorteilhaft. Es wäre aber nicht liberal, wenn kulturellem Leben und Schaffen die Inhalte vorgegeben werden. Das verhindert Kreativität und Qualität. So liegt es an den Künstlern selbst, Karlshorst als Kulturstandort zu etablieren. Eine zeitlich befristete Förderung kann aus meiner Sicht besonders am Anfang eines Projektes sinnvoll sein.

Harald Wolf: Ich bin zuversichtlich, dass das vom Bezirksamt einberufene Gründungskuratorium für das Kulturhaus unter Einbeziehung von Bürgerverein und sonstiger Bürgerschaft viele neue Ideen für das künftige Programm entwickeln wird. Gemeinsam mit der Howoge wollen wir dem Theater Karlshorst eine Chance geben. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen fördert eine wirtschaftsdienliche Maßnahme, um ein Konzept zum Betrieb des Hauses mit Kunst und Kultur zu erarbeiten und einen Betreiber zu unterstützen.

Stefan Gelbhaar: Nicht nur mit der Musikschule Schostakowitsch oder der Amalienorgel kann Karlshorst bereits ausgezeichnete kulturelle Angebote  vorweisen. Besonders die Veranstaltungen im Umfeld der Amalienorgel sollten stärker der Berliner Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Gleiches gilt für das Theater als Spielort für ambitionierte Produktionen mit Nachkriegsbezug bzw. russisch-deutschem Hintergrund. Die Idee eines Lichtenberger „Heiner-Müller-Preis“ für Nachwuchsdramatiker sollte vorangetrieben werden. Kultur braucht Raum – und die Kulturschaffenden Räume. Günstige Angebote, auch angesichts des Leerstandes, sind hier möglich und nötig. Schließlich sollte gemeinsam überlegt werden, ob z.B. die Berliner „Langen Nächte der Museen“ nicht auch in Karlshorst stattfinden sollten, um so auch auf diesem Weg den Kulturstandort stärker ins „Berliner Bewusstsein“ zu rücken.

Fabian Peter: Der Kulturstandort Karlshorst erhält mit dem neuen Kulturhaus und einer möglichen Reaktivierung des Theaterbetriebes sowie mit der Musikschule drei überregionale Leuchttürme, die das kulturelle Schaffen im Ortsteil bereichern werden. Daneben gibt es viele weitere kleine Initiativen, die es ebenso zu fördern gilt. Bei der Profilentwicklung für das neue Kulturhaus sollten zunächst die damaligen Nutzer des alten Kulturhauses berücksichtigt werden, um auch eine Anknüpfung an die Geschichte des Hauses zu ermöglichen. Darüber hinaus sollen dort auch neue kreative Ideen eine Heimat finden und das kulturelle Leben in Karlshorst bereichern. Dabei soll stets Freien Träger und gemeinnützigen bzw. privaten Initiativen der Vorzug vor staatlichen Einrichtungen gegeben werden (bspw. beim Betrieb der Galerie im Erdgeschoss). Für das Theater wurden nun EU-Fördergelder für die Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes und für die Betreibersuche ausgelobt. Wichtig ist hierbei im weiteren Verlauf ganz besonders, dass bei der Erstellung eines Konzeptes die Bürger von Karlshorst mit einbezogen werden, damit diese später auch das Theater mit entsprechender Akzeptanz als Nutzer wahrnehmen. Denkbar wäre beispielsweise eine Mischnutzung, bestehend aus einem kleineren (Jugend-)Theaterbetrieb, Filmvorführungen jenseits des kommerziellen Kinobetriebs (bspw. Arthaus-Filme) sowie Fest-, Tanz- und Kulturveranstaltungen (bspw. in Kooperation mit der Musikschule, Weihnachtskonzerte, Abibälle etc.).