Wirtschaft – Frage 2

Ein großer Teil der örtlichen Kaufkraft wandert derzeit in benachbarte Ortsteile ab. Was wollen Sie tun, um den Einkaufsort Karlshorst attraktiver zu machen?

 

Gregor Költzsch: Die Kaufkraft in Karlshorst ist hoch, wird aber teilweise durch nahegelegene und attraktive Einkaufszentren wie in Schöneweide oder Köpenick und natürlich in Mitte abgezogen. Das ist in einer funktionierenden Großstadt, in der wir uns alle mobil bewegen, aber in gewissem Maße auch normal. Es gibt in einer Stadt wie Berlin eine Aufgabenteilung bzw. Aufteilung der Versorgung. Ich möchte die kleineren lokalen Läden in Karlshorst unterstützen. Statt neue große, überregionale Zentren in Karlshorst zu errichten, muss der lokale Einzelhandel gestärkt werden – die Buchläden, die Kleidungsgeschäfte, die Kindergeschäfte, die Bäcker, die Cafes, Restaurants und viele andere. Und wir brauchen auch neue, gute Läden – zum Beispiel fehlt ein vernünftiges Schuhgeschäft. Aber die Versorgung mit attraktiven Waren des täglichen Bedarfs wird im Karlshorster Zentrum immer besser. Ich verweise da nur auf das neue Kulturhaus mit seinem neuen Biomarkt und auf den neuen Samstagsmarkt auf dem Theaterplatz. Die bisher unbebauten Grundstücke in der Treskowallee Ecke Ehrenfelsstraße und Ecke Am Carlsgarten (ehem. Kino) können für die Ansiedlung neuer Geschäfte noch genutzt werden. Durch den neuen Theaterplatz hat das Karlshorster Zentrum deutlich an Qualität gewonnen. Damit hat der anspruchsvollere Einzelhandel beste Möglichkeiten nachzuziehen.

Ringo Bronkalla: Die Ursache dieser Abwanderung habe ich bereits in der vorhergehenden Frage beschrieben. Eine Rücknahme des Einzelhandelskonzeptes ist notwendig. Um die Kaufkraft wieder nach Karlshorst zu holen, bedarf es nicht nur attraktiver Einkaufsmöglichkeiten. Weiterhin sind auch weitere Angebote im Dienstleistungsbereich, eine komfortable Verkehrsanbindung sowie ausreichend Parkraum notwendig. Hier setze ich auf Bürger- und Unternehmerfreundlichkeit, auf Förderung des Wettbewerbs und auf mehr Freiheit statt auf Verbote.

Harald Wolf: Karlshorst verfügt nicht über die Areale, um dort großflächigen Einzelhandel zu bauen. So ist z.B. IKEA besser an der Landsberger Allee als in der Treskowallee aufgehoben. Insofern wird sich nicht die vollständige Kaufkraft aus dem Stadtteil Karlshorst lokal binden lassen. Ich verfolge einen Ansatz für die Etablierung von Einzelhandel, der dem jeweiligen Standort gerecht wird. Für Karlshorst sehe ich die Notwendigkeit, das Zentrum um den S-Bahnhof Karlshorst zu stärken und dort attraktiven kleinteiligen Einzelhandel und Gastronomie weiter zu etablieren. Ergänzend dazu muss die Nahversorgung mit Lebensmitteln in den weniger zentral liegenden Kiezen von Karlshorst sichergestellt sein.

Stefan Gelbhaar: Das Potential von Karlshorst liegt in seinen Kiezen. Der grassierende Ladenleerstand ist ein Problem für die Eigentümer, aber auch für die verbliebenen Einzelhändler. Attraktive Zwischennutzungen etwa für ExistenzgründerInnen könnten ein Weg sein, diesem Problem beizukommen. Eine Zusammenarbeit zum Beispiel mit der HTW bietet sich mehr als an. Die weitere Umwandlung von Läden zu Wohnungen sehen wir in diesem Zusammenhang kritisch. Neben einer konsequenten wohnortnahen Versorgung ist ein breiteres Angebot möglich und nötig. Vielfältige Märkte können ebenfalls Karlshorst noch attraktiver machen.

Fabian Peter: Der Einkaufsstandort Karlshorst hat sich nicht zuletzt mit der Belebung des Ortsteilzentrums rund um den Bahnhof Karlshorst zu einem beliebten Anlaufpunkt entwickelt. Einen weiteren positiven Schub wird es mit der Neueröffnung des neuen Geschäfts- und Kulturzentrums am ehemaligen Standort des Kulturhauses Karlshorst geben. Zur weiteren Attraktivitätssicherung und -steigerung stehen in den nächsten Jahren einige Entscheidungen Ortsteilzentrum betreffend an: (a) drohender Leerstand von Ladenflächen im Geschäftszentrum ggü. ehem. Kulturhaus – (b) Entwicklung der Brachfläche zw. Bahnhof und Zufahrt zum Carlsgarten – (c) Nachnutzung des alten Kaiserbahnhofs nach Mietvertragsende von Netto (schwarz) – (d) Betriebskonzept des Theaters Karlshorst – (e) Fortbestand des Regionalbahnhofs Karlshorst – (f) Umbau der Bahnbrücke usw. Wir als CDU wollen, bezogen auf den Einzelhandel, insbesondere eine vielfältige Struktur fördern, in denen vor allem auch kleine und mittelständische Betriebe bessere Chancen erhalten. Wir wollen eine weitere Ausbreitung der Discountergruppen stoppen und stattdessen für mehr qualitäts- und serviceorientierten Einzelhandel eintreten. Auch der Wochenmarkt spielt dabei eine wichtige Rolle. Hier ist mit dem Umzug auf den Theaterplatz eine Zwischenlösung gefunden, die jedoch noch nicht das Optimum darstellt. Für einen starken Einzelhandelsstandort sind ausreichend Kurzparker-Stellplätze notwendig, um die Kaufkraft vorbeifahrender Fahrzeuge auf der Treskowallee besser zu nutzen.