Wohnen & Verkehr – Frage 3

Der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) verzeichnet steigende Fahrgastzahlen. In Karlshorst droht mittelfristig die Schließung des Regionalbahnhofs. Wie sehen Ihre Vorstellungen zur Förderung des ÖPNVs aus?

 

Gregor Kölzsch: In einem wachsenden Stadtteil wie Karlshorst müssen die Angebote des ÖPNV ausgebaut und nicht gekürzt werden. Der Regionalbahnhof steht daher weit oben auf meiner Prioritätenliste. Als regelmäßiger Nutzer ist mir die Bedeutung des Bahnhofs für die Anbindung an die Stadt und den Flughafen bewusst. Wie alle Parteien vor Ort setzen sich auch die SPD Lichtenberg, Stadtrat Andreas Geisel und ich für den Erhalt ein. Auch mein Vorgänger Dr. Andreas Köhler hat in den letzten Jahren zahlreiche Gespräche mit der Deutschen Bahn und dem Senat dazu geführt. Sollte ich gewählt werden, werde ich mich weiter dafür einsetzen. Es wird darauf ankommen, die nächsten 5 Jahre bis zur Fertigstellung des Ostkreuzes zu nutzen. Das möchte ich gemeinsam mit den anderen Parteien in Karlshorst erreichen. Statt kleinlicher Auseinandersetzungen müssen wir alle an einem Strang ziehen! Zur Förderung des ÖPNV gehört auch, dass die S3 endlich wieder vertragsgemäß fährt, d.h. auch mit der vereinbarten Zuglänge. Eine Lösung muss auch dafür gefunden werden, dass die S3 in den nächsten Jahren am Ostkreuz enden wird und ein barrierefreier Umstieg für ältere und beeinträchtigte Menschen oder auch Fahrradfahrer und Familien mit Kinderwagen kaum möglich ist. Denkbar ist z.B. ein temporärer Aufzug. Außerdem muss die Deutsche Bahn endlich mit dem Umbau der Brücke beginnen, um einen kurzen Umsteigeweg von der Straßenbahn in die S-Bahn zu ermöglichen. So können wir die Umsteige- und Wegezeiten reduzieren.

Ringo Bronkalla: Karlshorst ist sehr gut an den ÖPNV angeschlossen. Die Schließung des Regionalbahnhofs wäre für mich persönlich ebenfalls ein Verlust einer komfortablen Reisemöglichkeit. Bei ehrlicher Betrachtung ist ein Halt der Regionalzüge in Karlshorst betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, wenn die nächsten  Stationen in Köpenick und am Ostkreuz eingerichtet werden. Hier sind dann neue Ideen gefragt, wie man die Station weiter nutzen kann. Eine Möglichkeit könnte die Nutzung durch einen Wettbewerber der Deutschen Bahn sein, der eine andere Strecke bedient. Weiterhin wären saisonale oder periodische Halte in Karlshorst denkbar. Bei der Ideenfindung könnte der Bürgerverein Karlshorst sicher einen konstruktiven Beitrag leisten. Der ÖPNV sollte für Fahrgäste attraktiver werden. Die Attraktivität kann unter anderem durch Wettbewerb verschiedener Unternehmen gesteigert werden. Dazu würde ich bestimmte Strecken ausschreiben und an solide Unternehmen vergeben.

Harald Wolf: Derzeit wird mit der Sanierung der Straße Am Tierpark die Straßenbahn von und nach Karlshorst beschleunigt, da sie ein eigenes Gleisbett bekommt. Ich hoffe, dass diese Baumaßnahme, einschließlich der Sanierung der Fahrbahn fristgemäß abgeschlossen wird. Leider musste ich zur Kenntnis nehmen, dass erst kürzlich die Deutsche Bahn wiederum die Sanierung der Bahnbrücke am S-Bahnhof Karlshorst verschoben hat. Für eine Verbesserung der Umsteigebeziehungen zwischen S-Bahn und Straßenbahn brauchen wir jedoch die Verlegung der Straßenbahnhaltestelle unter die S-Bahnbrücke. Hier werde ich weiter Druck auf die Bahn ausüben, damit wir endlich in dieser Frage vorankommen. Der Regionalbahnhof Karlshorst muss erhalten bleiben. Er bedient einen wachsenden Wohnstandort. Karlshorst kann schon aus diesem Grund nicht vom Regionalverkehr abgehängt werden.

Stefan Gelbhaar:  Karlshorst muss gut an die Innenstadt angebunden sein und bleiben. Daher lehnen wir die Schließung des Regionalbahnhofes ab. Eine Schließung hätte zur Folge, dass Berlinerinnen und Berliner nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern verstärkt mit dem Auto ins Zentrum fahren würden. Damit ist keinem geholfen. Auch mit Hinblick auf den Ausbau des Flughafens Schönefeld erscheint eine Schließung des Bahnhofs Karlshorst unsinnig: Wenn künftig Expresszüge mit den dort verkehrenden Regionalzügen vertaktet werden, hat der Bahnhof Karlshorst eine noch stärkere, grundsätzliche Erschließungsfunktion, etwa für Friedrichsfelde. Dann kann langfristig auch die Verdichtung des Tramnetzes angedacht werden. Ein verkehrlicher Konflikt mit Köpenick besteht nicht, da es sich um unterschiedliche Regionallinien handelt.

Fabian Peter: Die CDU und ich bekennen sich klar zum dauerhaften Erhalt des Regionalbahnhofs Karlshorst und setzen uns engagiert dafür ein. So haben wir gemeinsam mit den Bürgern in einer Unterschriftensammlung der CDU bislang rund 4.800 Unterschriften gesammelt, um den Druck auf den rot-roten Senat zu erhöhen. Dieser will den Regionalhaltepunkt im Jahr 2015/2016 stilllegen. Deshalb hat die CDU einen Antrag in das Abgeordnetenhaus eingebracht, mit dessen Beschluss die Zukunft unseres Regionalbahnhofs gesichert würde. Leider verhinderten SPD, DIE LINKE und FDP nur mit knapper Mehrheit den Beschluss dieses Anliegens. Trotz dieser Fehlentscheidung im Parlament kämpfen die CDU und ich weiter beharrlich für die langfristige Sicherung des Regionalbahnhofs Karlshorst und setzen auf neue Mehrheiten im Parlament nach der Wahl, so dass eine gestärkte CDU noch einmal einen neuen Anlauf starten kann. Auch die CDU-Landesspitze steht hinter diesem Ziel, denn CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel und andere haben sich ebenfalls als Unterzeichner an der Unterschriftenaktion beteiligt. Weiterhin setzt sich die CDU für eine bessere ÖPNV-Anbindung des Prinzenviertels an das Karlshorster Ortsteilzentrums ein. Besonders dringend wird diese Forderung gegenwärtig, da der Netto-Supermarkt in der Ehrlichstraße im Herbst auf unbestimmte Zeit geschlossen wird. Hier schlagen wir eine Verlängerung der Buslinien 296 und/oder 396 vor. Diese Maßnahme lässt sich schneller realisieren, als eine Veränderung der Tram-Verbindung.